Köln. 1. 7. 2010 – Als „reine Abzocke“ hat
Lothar Maurer, Vizepräsident des ACV Automobil-Club Verkehr, die Praxis der
„Tank & Rast“-Raststätten kritisiert, an den Bundesautobahnen die Gebühr
für eine Toilettenbenutzung auf 70 Cent zu erhöhen und davon nur 50 Cent bei einem
Einkauf in einer Raststätte zu ersetzen. Maurer in der TV-Sendung „Recht
brisant“ des Senders 3Sat: „Wenn man in eine normale Kneipe geht, dann muss man
auch nicht für die Toilettennutzung extra zahlen. Ich möchte auch nicht nach
meinem WC-Gang oftmals völlig überteuerte Ware kaufen müssen."
Grundsätzlich gilt: In
einer normalen Gaststätte abseits der Autobahn müssen Toiletten für Gäste
kostenfrei angeboten werden. Geregelt ist das in den einzelnen
Gaststättenverordnungen der Länder. Doch in den Raststätten auf den
Bundesautobahnen läuft’s anders. WCs und Gastronomie bei Tank & Rast sind
hier eigenständige Betriebe, sodass Gebühren fürs Klo zulässig sind. Und die
sollen steigen.
Die Erhöhung auf 70 Cent wird bis Mitte 2011 an
allen 370 Standorten der Tank und Rast umgesetzt sein. Der Gewinn, den Sanifair
allein mit der 20-Cent-Erhöhung jährlich macht, wird sich dann auf rund 26,6
Millionen Euro jährlich belaufen, geht man von einer durchschnittlichen
Besucherzahl von rund 30.000 Benutzern pro Monat aus. Ein sattes Geschäft mit
dem Geschäft. „Diese Erhöhung könnte zur Folge haben, dass sich immer mehr
Raststättenbesucher in die Büsche schlagen und dort ihre Notdurft verrichten“,
fürchtet Lothar Maurer.
In der Club-Zeitschrift
ACV profil hatte der ACV bereits Anfang des Jahres unter der Überschrift „Ist
Sanifair wirklich fair“ über die Preiserhöhung in den Raststätten berichtet und damit ein großes Medienecho
ausgelöst. Auch viele ACV-Mitglieder meldeten sich zu Wort: Während einerseits
die Sauberkeit in den Anlagen von „Tank & Rast“ gelobt wurde, verurteilten
andere in Zuschriften „das Geschäft mit dem Geschäft“.