Sicherheit & Verkehr
ACV fordert: Sicherheits- und Umweltaspekte müssen höher gewichtet werden

EU-Studie verharmlost Probleme von Megatrucks

Köln. 26. Januar 2009 ? Die Diskussion über 25 Meter lange Lastkraftwagen mit 60 Tonnen Gesamtgewicht, auch ?Megatrucks? genannt, kommt wieder in Gang. Jetzt wurde eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie bekannt. Sie kommt zu dem Schluss, dass der wachsende Güterverkehr die Zulassung so genannter ?longer and heavier vehicles?, kurz LHVs, auf Dauer unverzichtbar macht. Der Verbund Europäischer Automobil Clubs (EAC), zu dessen Gründungsmitgliedern auch der ACV Automobil-Club Verkehr zählt, kritisiert, dass in dem Papier die Auswirkungen auf Umwelt, Energieverbrauch und Verkehrssicherheit zu einseitig dargestellt würden. Auch ACV-Generalsekretär Ralf Sanner mahnte im Zusammenhang mit der Studie: ?Es stimmt sehr bedenklich, wenn größeren Ladevolumina eine höhere Bedeutung als Menschenleben zukommt. Das ist ein klarer Widerspruch zu den Bestrebungen der EU-Kommission, die Zahl der Verkehrstoten in Europa konsequent zu senken. Vielmehr sollten für den Güterverkehr alternative Verkehrswege ausgebaut werden."

Durchgeführt wurde die Studie vom privaten belgischen Gutachterkonsortium Transport & Mobility Leuven (TML). Die Experten räumen zwar ein, dass Megatrucks ein höheres Sicherheitsrisiko darstellen, als normale Lkw. Dieses Risiko sei aber hinnehmbar, weil sie wesentlich größere Ladevolumina besitzen. Würden sie normale Lkw ersetzen, könnte die Gesamtzahl der Fahrzeuge abnehmen.

Der EAC fordert, die EU-Kommission müsse vor einer endgültigen Entscheidung auch die Ansicht aller Mitgliedsstaaten, der Verbände und Initiativen mit berücksichtigen. Vor allem Transitländer werden unter dem Verkehr der LHVs leiden. ?Das bedeutet, dass einige Länder - vor allem die großen - von einem effektiveren Güterverkehr profitieren könnten, andere aber große Probleme mit gestiegenen Infrastrukturkosten und Verkehrsbelastungen haben werden?, so der EAC in einer Stellungnahme. Nach Ansicht des EAC kann sich der steigende Güterverkehr nicht allein auf der Straße abspielen, sondern muss den Transport auf Schiene und Wasserwegen mit einbeziehen. ?Auch die Wechselwirkungen zwischen der Entwicklung des Straßengüterverkehrs und den anderen Verkehrsträger müssen in der Analyse verstärkt berücksichtigt werden, sonst drohe ein Rückschritt auf dem Weg zu einem sicheren und nachhaltigen Güterverkehr,? so der EAC.

Die Studie ist in englischer Fassung unter http://ec.europa.eu/transport/strategies/studies/strategies_en.htm abrufbar. Weitere Informationen und Studien zu LHVs finden sich auf der vom EAC mit initiierten Website www.nomegatrucks.eu